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Neuerscheinung – Divertimento

Der Vorstand der Franz Hofmann uns Sophie Hagemann Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den kommenden Jahren die bisher unveröffentlichten Kompositionen von Franz Hofmann in der Sammlung Eschler herauszugeben. Nach der Solosonate für Violine im Jahr 2017 ist nun als zweites Werk Franz Hofmanns Divertimento für Klarinette, Viola und Violoncello aus dem Jahre 1944 erschienen.
Aktuell wird für die Werkausgabe ein Orchestersatz „Allegro con brio“ vorbereitet, das Franz Hofmann 1939 als Eingangssatz für eine fünf-sätzige Orchesterpartita komponierte und zum 100. Geburtstag des Komponisten uraufgeführt werden soll.

Betrachtet man das Werkverzeichnis von Franz Hofmann in den ersten Monaten des Jahres 1944 so fällt auf, dass in diesem Zeitraum im Verhältnis zur zweiten Jahreshälfte ungewöhnlich wenige Kompositionen erfolgten.

Hierfür sind mehrere Gründe festzustellen. Zum einen hatte sich der Komponist außergewöhnlich intensiv mit dem Ende Januar 1944 vollendeten h-Moll Quintett beschäftigt und wog über einen längeren Zeitraum ab, ob er dieses Werk für den Schumann-Wettbewerb in Düsseldorf einreichen sollte.
Zugleich fanden aber auch Überlegungen statt, ebenfalls das im Oktober 1943 komponierte Flötentrio für diesen Wettbewerb vorzulegen – allerdings in einer Umarbeitung für Klavierquintett, mit der er im Februar 1944 begonnen hatte.
Letztendlich entschied sich Franz Hofmann jedoch für das h-Moll Quintett als Wettbewerbsbeitrag, was aber schließlich erfolglos blieb.

Zum anderen waren es aber vor allem auch die Hochzeitsvorbereitungen, die für Franz Hofmann und Sophie Hagemann in der ersten Jahreshälfte im Vordergrund standen und wichtige Entscheidungen er-forderten.
In diesem Kontext ist beispielweise zu er-wähnen, dass Franz Hofmann im März 1944 einen Vertrag für eine Kapellmeisterstelle in Baden erhalten hatte, den er aber nicht antreten konnte, da er von seinem Vorgesetzten im Stabsmusikkorps hierfür nicht die Genehmigung erhielt.
Neben diesem niederschlagenden Ereignis zeigt der Briefverkehr zwischen dem Brautpaar auch die Sorge umeinander respektive die Machtlosigkeit und Verbitterung über die politische Situation.

Nach einem großen Bombenangriff auf Nürnberg schrieb Hofmann am 2. April 1944 an seine Braut: „Wenn ich alles verlieren sollte, Dich will ich nicht verlieren. Sonst hat für mich das Leben keinen Sinn mehr. Es sind ganz, ganz fürchterliche Zeiten – die Menschen sind zu blut-gierigen Bestien geworden, die vor blinder Wut u. blinden Haß keine Wahl der Mittel mehr kennen.“

Vor diesem Hintergrund komponierte Franz Hofmann im April 1944 ein Trio für Klarinette, Viola und Violoncello, das er am 10. April 1944 vollendete und als „Divertimento“ bezeichnete.

Am 4. April teilte er Sophie Hagemann mit: „Ich arbeite wieder – etwas ganz Seltsames. Habe etwas vor damit. Doch da wird noch nichts verraten!“
Allem Anschein nach hatte Franz Hof-mann Anfang April mit der Komposition des Trios begonnen und sah auch dieses Werk für einen Wettbewerb vor, wobei er erst drei Tage nach Fertigstellung des Werkes hierüber Sophie Hagemann berichtete:
„Du schreibst mir heute so eine „brummige“ Karte aus Treuchtlingen, daß ich Dich schleunigst wieder besser stimmen muß. Ich will Dir halt mein neues opus etwas beschreiben.

DIVERTIMENTO F-DUR
Für Klarinette, Bratsche u. Cello.
1. Recht lebhaft u. lustig.
2. Im ruhigen Zeitmaß eines Menuetts.
3. Ruhig, mit Ausdruck
4. Wieder lebhaft u. lustig.

So nun weißt Du´s. Wenn ich später mal Opuszahlen schreiben muß, kommt es mit dem anderen Trio unter eine Zahl als a u. b. Es ist eine sehr heitere Stimmung, bis auf den langsamen Satz, bisweilen, etwas resigniert. Nicht allzu schwer, damit es den Bestimmungen des Wettbewerbs entspricht.
Das Ganze ist aus einem Guß u. nach meiner Meinung sehr gut gelungen. Jetzt bin ich über den Stimmen u. am 23. werden wir es bei Tante Hansi uraufführen. Bist Du nun zufrieden? Schau, Raimund u. all die anderen wissen ja auch nicht mehr, haben nicht einmal die Noten gesehen. Sei nicht böse, Fraule u. „rächen“ brauchst Du Dich auch nicht!“

In diesem Brief sind einige bemerkenswerte Äußerungen von Franz Hofmann zu verzeichnen. Erstmals machte sich der Komponist Gedanken über die Vergabe von Opus-Zahlen und sah das „Klarinetten-trio“ als gewisses Pendant zum „Flötentrio“ aus dem Jahr 1943. Zudem gab er eine Erklärung für die leichte Spielbarkeit des Werkes; allerdings ist bis heute unklar, für welchen Wettbewerb das Divertimento vorgesehen war bzw. ob es je für einen solchen eingereicht wurde. Mündlich ist lediglich überliefert, dass das Flötentrio bei einem Kompositionswettbewerb in Prag den ersten Preis errungen hatte und hierüber Franz Hofmann im Dezember 1944 unterrichtet wurde.

Dass dieses Divertimento dennoch eine besondere Bedeutung für den Komponisten hatte, ergibt sich aus einem undatierten Brief, den Franz Hofmann wohl Anfang Juli 1944 an seinen Freund Ernst Gröschel schrieb:

„Ich will Dir schnell mal meine neuen Opera aufzählen! Das Quintett kennst Du ja noch. Ich habe es nach Düsseldorf für den Schumannpreis geschickt. Dann kam ein Divertimento – das kennst Du ja auch, hast es auf Platten.
Danach in ganz kurzem Abstand ein Quintett für Horn u. Streichquartett, das wir morgen durchprobieren wollen u. jetzt schreibe ich an dem letzten Satz einer Serenade für Sextett (Oboe, Klar., Fagott, Geige, Bratsche, Cello). Dieses Ding wollen wir nächste Woche probieren. Dazwischen liegen für die Hochzeit 2 Gesänge für hohen Sopran mit Geige u. Orgel. Ich glaube, Du würdest mich in meinem jetzigen Stil nicht mehr recht erkennen u. bin wahnsinnig auf Dein Urteil über das Divertimento gespannt. Schreib´ es mir ganz ehrlich, gelt. Lob u. Tadel!“

Das Urteil des Freundes Ernst Gröschel über das Divertimento ist nicht überliefert, ebenso unklar ist auch, warum das Werk in den folgenden Korrespondenzen nicht mehr auftaucht, wie auch der Verbleib der autographen Partitur und Stimmen rätsel-haft ist.

Uraufführung und Rezeption

Eine öffentliche Uraufführung des Trios ist nicht bekannt; aus dem Brief Franz Hof-manns vom 13. April 1944 geht lediglich hervor, dass eine Uraufführung im Freundeskreis für den 23. April 1944 vorgesehen war.
Es ist anzunehmen, dass das Werk nach dem Krieg im privaten Kreis der Witwe Franz Hofmanns aufgeführt wurde. Im Nachlass Sophie Hagemanns sind zwei nach den autographen Stimmen hergestellte Partituren vorhanden, die einen solchen Schluss zulassen.

Als außergewöhnliches und zeithistorisch wertvolles Dokument muss zudem eine historische Ton-Aufnahme des Divertimentos betrachtet werden, die im Mai / Juni 1944 entstanden sein muss und im Nachlass von Sophie Hagemann aufgefunden wurde. Vermutlich ist diese Tonaufnahme im Kontext einer Wettbewerbsteilnahme entstanden, allerdings sind die Interpreten auf der überlieferten Decilith-Tonfolie leider nicht genannt.
Diese historische Aufnahme des Divertimentos findet sich auf dieser Homepage unter der Rubrik Tondokumente / historische Aufnahmen.

Die Werkausgabe des Divertimento ist direkt bei der Sammlung Eschler erhältlich:
Sammlung Eschler:
Thomas J. Eschler, MA
Schnieglingerstraße 94 D
90419 Nürnberg
Email: teschler@nefkom.net
Tel.: 0911 / 33 11 02
Mobil: 0171 / 310 72 71

 

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